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Kunst in Krisenzeiten

In Krisenfällen merkt eine Gesellschaft, was sie für ihr Überleben braucht. Zugang zu Lebensmittel, gesundheitliche Versorgung, eine einigermaßen funktionierende Infrastruktur und Zugang zu Geld, um sich das alles leisten zu können. Kleinkunstveranstaltungen genauso wir großangelegte Unterhaltungsangebote werden abgesagt. Restaurants, Cafes und Teehäuser werden geschlossen. Soziale Kontakte werden auf digitalisierte Medien verlagert. Und uns bleibt die Frage: was ist denn wichtiger, Freiheit oder eine gesunde Gesellschaft? Und was brauchen wir wirklich? Soziale Kontakte oder einsame Besinnung? Freizeitangebote oder Mut zur Wahrheit?


Zum Überleben brauchen wir vielleicht keine Unterhaltung. Doch zum Leben brauchen wir sie. Kunst ist vielleicht nicht überlebenswichtig, aber lebenswichtig ist sie auf jeden Fall. So viele Dinge geschehen jeden Tag vor unseren Augen. So viele Stimmen hören wir jeden Tag. So viele Gedanken prallen jeden Tag an uns ab. Unterbewusst verarbeiten wir jeden Tag Millionen von Eindrücken. Ein Wunder, das wir darin nicht untergehen. Dass wir zumindest glauben zu wissen, wer wir sind und dass wir zumindest versuchen, uns selbst zu sein, auch wenn wir selten wissen, wie das geht.


Die Kunst erlaubt uns, uns selbst aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Sie ermöglicht uns, unseren Blick zu erweitern und gleichzeitig uns selbst enger zu fassen. Sie hilft uns, sich von unmittelbaren Erfahrungen zu befreien und uns auf eine Gedankenwelt einzulassen. Für die Kunstschaffenden ermöglicht sie, sich auszudrücken, sich von der Seele zu sprechen, unseren Protest zu äußern, uns selbst zu finden und vieles mehr. In Krisenzeiten wird die finanzielle Lage von freiberuflichen Kunstschaffenden strapaziert. Richtigerweise schenkt die Gesellschaft Menschen, die unseren Grundbedarf sicherstellen, mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Ich hoffe, dass diese Reflexion auch zu besseren Arbeitsbedingungen in den Branchen führt. Ich hoffe aber auch, dass die Gesellschaft nicht vergisst, dass Unterhaltung und Kunst Nahrung für unsere Seelen sein kann und die Zeit in der Quarantäne mit Filmen, Büchern, virtuellen Museumsbesuchen, online Veranstaltungen uvm. erträglicher machen. Und ich hoffe, dass auch die künstlerische Vielfalt diese Krise überstehen wird.




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